Wenn Sie durch Portugal reisen, werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit öffentliche Gebäude, Kirchen, Monumente, Wohnhäuser oder sogar ganze Straßenzüge entdecken, die mit Keramikfliesen bedeckt sind. Diese Fliesen sind im Laufe der Jahrhunderte zu einem der bekanntesten Symbole Portugals geworden: den Azulejos.
2600 v. Chr. – Die ersten glasierten Keramikfliesen in Mesopotamien.
Die ältesten bekannten glasierten Keramikfliesen (ca. 2600 v. Chr.) wurden in Ägypten und Mesopotamien entdeckt. Danach verschwand diese Technik über viele Jahrhunderte, bevor sie im 9. Jahrhundert im Irak wiederentdeckt und anschließend in der gesamten arabischen Welt verbreitet wurde – von Konstantinopel bis nach Spanien.

Ab dem 15. Jahrhundert verwendete schließlich ganz Europa – von Spanien über Italien und Frankreich bis in die Niederlande – glasierte Keramikfliesen zur Dekoration der prächtigsten Gebäude.
16. Jahrhundert – Die ersten Azulejos in Portugal.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ließ König Manuel I. die ersten Azulejos aus Spanien importieren, um die Wände des Palastes von Sintra zu verkleiden, den er neu errichten ließ. Dies sind die ersten dokumentierten Azulejos in Portugal – hergestellt wurden sie jedoch in Spanien.

Etwas später, Ende des 17. Jahrhunderts, begannen die Niederländer, chinesisches Porzellan zu imitieren und entwickelten Keramikfliesen in Blau-Weiß-Tönen.
Die Portugiesen bestellten daraufhin Azulejos aus den Niederlanden für ihre Paläste und Kirchen. So befindet sich beispielsweise im Convento da Madre de Deus in Lissabon ein beeindruckendes Azulejo-Wandbild, das 1698 in Holland von Jan van Oort gefertigt wurde.

Convento da Madre de Deus Lissabon – Bildquelle unbekannt
18. Jahrhundert – Portugal wird Meister der Azulejos.
Nach dem verheerenden Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 entschieden sich die Portugiesen, Azulejos zur Verkleidung der Fassaden ihrer Hauptstadt einzusetzen.
Diese Wahl hatte praktische und ästhetische Gründe: Die Fliesen waren kostengünstig herzustellen und schützten Gebäude wirksam vor Hitze und Feuchtigkeit. Gleichzeitig erreichte die Kunst der Azulejos ihren Höhepunkt. Die Meister der Azulejo-Malerei beherrschten ihr Handwerk so perfekt, dass sie ihre Werke signierten.

Fabrik Viúva Lamego – Largo do Intendente, Lissabon
Achtung: In Souvenirgeschäften finden Sie meist industriell gefertigte Keramikfliesen, die lediglich im Siebdruckverfahren bedruckt wurden. Am anderen Ende des Spektrums bieten Antiquitätenhändler manchmal echte Azulejos aus dem 17. oder 18. Jahrhundert an – ihre Herkunft ist jedoch oft fragwürdig, da in Portugal historische Azulejos im öffentlichen Raum gesetzlich geschützt sind und nicht gehandelt werden dürfen.
Azulejo-Paneele werden jedoch noch heute von einigen wenigen portugiesischen Kunsthandwerkern gefertigt, die häufig mit der Restaurierung historischer Monumente beschäftigt sind. Entdecken Sie diese außergewöhnlichen Stücke online über den untenstehenden Link.
Die schönsten portugiesischen Azulejos.
Die Kirche von Válega
Diese Kirche befindet sich in Ovar, nahe Aveiro. Sie wurde 1746 erbaut, ihre Fertigstellung dauerte jedoch mehr als ein Jahrhundert. Heute wird sie oft als die „portugiesische Sixtinische Kapelle“ bezeichnet. Ihre Azulejos mit Szenen aus der Bibel gelten als Meisterwerke des Barock.

Igreja Matriz de Santa Maria de Válega – Bildquelle: Wikimedia
Der Wappensaal im Nationalpalast von Sintra
Der Nationalpalast von Sintra war zunächst Residenz des maurischen Gouverneurs im 10. Jahrhundert und später fast acht Jahrhunderte lang Wohnsitz portugiesischer Könige.
Schon früh wurden seine Wände mit Azulejos geschmückt, von denen viele verschwunden sind. Der berühmte Wappensaal hingegen besitzt bis heute eindrucksvolle Azulejo-Paneele aus dem 18. Jahrhundert.

Wappensaal des Nationalpalasts von Sintra
Die Igreja de São Lourenço in Almancil
Diese barocke Kirche aus dem 17. Jahrhundert, nahe Faro, ist dem Heiligen Laurentius gewidmet. Ihr gesamter Innenraum ist mit Azulejos bedeckt, die wichtige Szenen aus dem Leben des Heiligen darstellen.
Igreja de São Lourenço in Almancil – Bildquelle unbekannt
Diese einzigartigen Azulejos wurden um 1730 in Lissabon gefertigt und später an den Wänden und sechs Arkaden der Kirche angebracht.
Der Bahnhof São Bento in Porto
Der Bahnhof São Bento im Zentrum von Porto wurde 1896 eröffnet. Seinen Namen verdankt er dem ehemaligen Kloster „São Bento de Avé Maria“, das für den Bau der Station abgerissen wurde.
Bahnhof São Bento – Bildquelle unbekannt
Die Wände der monumentalen Eingangshalle sind vollständig mit Azulejos bedeckt und zeigen historische Szenen Portugals sowie Darstellungen des portugiesischen Alltags.
Azulejos – eine lebendige Kunst in Portugal.
Auch heute sind Azulejos überall in Portugal präsent – sowohl in traditioneller als auch in moderner Form. Viele Metrostationen in Lissabon sind mit ihnen gestaltet, ebenso zeitgenössische Gebäude wie die Casa da Música in Porto.

Dank hochwertiger Reproduktionen lässt sich die dekorative Wirkung portugiesischer Azulejos heute auch zu Hause genießen – beispielsweise als Azulejo-Wandfreske.
Oder ganz einfach als einzelne dekorative Elemente an der Wand.
Figürliche Azulejos – Kollektion Luisa Paixão
Und morgen?
Zeitgenössische Künstler und Kunsthandwerker interpretieren Azulejos heute neu – im Street-Art, im Interior Design, in Schmuckkollektionen oder sogar in moderner Tischkultur.
Contemporary Azulejos by Charis Tsevis


